Was zwei Kinder über Versöhnung wissen, das wir Erwachsene verlernt haben.
Ich beobachte zwei Kinder, wie sie miteinander spielen, eine schöne Zeit miteinander haben.
Und dann, im nächsten Moment, reißt ein Kind das andere an den Haaren.
Das Kind, das an den Haaren gerissen wurde, wird richtig wütend, läuft dem anderen nach und will schon zuschlagen.
Ich spüre Ärger in mir hochkommen.
Einerseits spüre ich ihn mit.
Andererseits ärgert mich der Streit an sich.
Ich gehe kontrolliert dazwischen, damit niemand zu Schaden kommt.
Ich merke: Da entsteht gerade ein Lernmoment für uns alle.
Ich spreche mit beiden über die Situation.
Das Kind, das an den Haaren gerissen hat, sagt:
„Mir wurde ein Auto weggenommen.“
Das Kind, das an den Haaren gerissen wurde, sagt:
„Du hast mir weh getan.“
Ich sage:
„Sprecht euch aus und denkt darüber nach, was jeder von euch selbst falsch gemacht hat.“
Nach dieser Klärung beruhigen sich beide allmählich.
Eine Zeit lang sind sie getrennt.
Dann kommen sie wieder zusammen und spielen ganz normal miteinander.
Zuvor sah ich ein Kind, das verletzt wurde und fast wie ein Monster ganz in Rage war.
Dann beruhigt es sich und baut wieder eine Verbindung auf.
Was mich an dieser Szene fasziniert, ist diese Kraft der Versöhnung.
Ich staune darüber, wie diese Kinder wieder in Verbindung gehen können, obwohl sie ein paar Minuten davor noch hart gestritten haben.
Und ich frage mich:
Wieso schaffen wir Erwachsene das oft nicht?
Wenn ich Erwachsene in solchen Momenten beobachte, dann sind sie oft noch lange stinksauer aufeinander.
Und manchmal tragen sie ihre Verletzungen noch lange mit sich herum.
Welche Fähigkeiten besitzen Kinder, die wir Erwachsene nicht haben?
Oder anders gefragt: Was haben Erwachsene verlernt, was Kinder ganz selbstverständlich tun?